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Weihnachtslied
Vom
Himmel in die tiefsten Klüfte
ein
milder Stern hernieder lacht;
vom
Tannenwald steigen Düfte
und
hauchen durch die Winterlüfte,
und
kerzenhelle wird die Nacht.
Mir
ist das Herz so froh erschrocken,
das
ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich
höre fernher Kirchenglocken
mich
lieblich heimatlich verlocken
in
märchenstille Herrlichkeit.
Ein
frommer Zauber hält mich wieder,
anbetend,
staunend muß ich steh’n:
Es
sinkt auf meine Augenlieder
ein
goldner Kindertraum hernieder,
ich
fühl’s, ein Wunder ist gescheh’n.
Theodor
Storm 1817 - 1888
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Markt
und Straßen...
Markt
und Straßen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
sinnend geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins freie Feld,
hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
aus des Schnees Einsamkeit
steigts wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!
Joseph von Eichendorff 1788
- 1857
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