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Die
Weihnachtsgeschichte
von Karin Rohner (1996)
unter Zuhilfenahme der Evangelien des Lukas 2., Vers 1-15;
Matthäus 2., Vers 1-3, 7-11.
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus
ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und die
Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da
Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich
schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.
Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt
Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da
heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlecht
Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit
Maria, seinemmvertrauten Weibe, die war schwanger.
Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären
sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und
legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der
Herberge.
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den
Hürden, die weideten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des
Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie;
und sie fürchteten sich sehr.
Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich
verkündige euch große Freude, die allem Volk
widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist
Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr
werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen,
die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und
Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!
Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten
untereinander: Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Lasst uns zuvor ein
paar Schafe schlachten, um den Tag würdig zu begehen!
Solcherart gestärkt, wird uns der Weg nach Bethlehem viel
leichter fallen!
Sie schürten das Lagerfeuer, sodass es hell aufloderte, und in
seinem Schein fielen sie über die Tiere her. Das war ein
Blöken und Schreien. Und sie sprachen zu den Schafen: Warum
regt ihr euch auf? Ihr habt ein feines Leben gehabt hier
draußen in der Natur. Jeden Tag frische Luft, grünes
Gras und würzige Kräuter. Angesichts eines so
freudigen Ereignisses ist es nur recht und billig, dass auch ihr euren
Tribut entrichtet!
Das Feuer, das Blöken der Tiere und der frische Bratengeruch
lockten die Menschen herbei, und sie riefen: Was feiert ihr
hier? Wir sind hungrig. Können wir nicht mithalten?
Wir feiern die Geburt des Heilands! Wenn ihr ein paar Flaschen
Branntwein mit in die Runde bringt, seid ihr uns willkommen. Denn was
wäre ein gutes Mahl ohne einen tüchtigen Schluck aus
der Flasche!
Die Orgie währte drei Tage und Nächte lang. Waren sie
aber gesättigt, fielen sie in einen dumpfen Schlaf, aus dem
sie mit schwerem Kopf erwachten.
Hin und wieder fragte einer: Wäre es nicht an der Zeit, dass
wir uns auf den Weg zu der Krippe machten, wie der Engel uns
geheißen hat?
Wozu die Eile?, sprach der erste Hirte. Das Jesuskind ist auch morgen
noch da! So jung kommen wir nie wieder zusammen!
Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit
des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland
gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der
Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen,
ihn anzubeten.
Da das der König Herodes hörte, erschrak er und mit
ihm das ganze Jerusalem.
Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernte mit Fleiß
von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und wies sie gen
Bethlehem und sprach: Ziehet hin und forschet fleißig nach
dem Kindlein; und wenn ihr es findet, so sagt mir es wieder, dass ich
auch komme und es anbete.
Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin.
Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor
ihnen hin, bis dass er kam und stand oben über, da das
Kindlein war.
Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut, gingen in das Haus und
fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und
beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm
Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Doch es kam die Zeit, da sie hungrig wurden. Wie gut sich das trifft!,
sprachen sie. Ochs und Esel hier im Stall! Wir werden sie schlachten
und ein Festmahl bereiten!
Sie bauten ein Gerüst aus Speeren und Stangen und brieten die
Tiere am Spieß. Der Duft zog weit ins Land hinaus und lockte
viele Mitesser an.
Doch während des Mahles merkten sie, dass sie sich an dem
Fleisch die Zähne ausbissen.
Die beiden waren auch nicht mehr ganz jung!, riefen sie. Warum sonst
liegen sie uns so schwer im Magen?
Joseph und Maria sahen dem Treiben hilflos zu und rührten
keinen Bissen an.
Das Jesuskind aber fing bitterlich zu weinen an. Denn ohne die
Wärme und Nähe der Tiere fror es jämmerlich.
© Karin Rohner 1996
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