Winterherz
Im Kristallgarten
des Mondlichts
schimmern die Bäume
silbernen Kerzen gleich
Während ein Reifhauch
die Spiegelscheibe
des Traumsees
überzieht
ächzt die Schneeerde
unter der Sohlenschwere
und mein hastiger Atem
erstarrt zu Eis
Du in deiner
Tropfsteinhöhle
sitzt und hoffst
auf einen Frühling
der dein Winterherz
zum Schmelzen bringt
und vergisst
dass kein Sonnenstrahl
je einen Felsen
durchdrang
© Karin Rohner 2003
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Augenblicke
Advents-Kulisse,
der Tee noch zu
heiß,
der Salat zäh wie Plastik.
Da
kommt er, um die Vierzig,
dunkel,
unsere Augen treffen
sich.
Zwei
Tische weiter nimmt er
Platz,
in Blickrichtung, der gleiche
Salat,
dieser Zufall, wir lachen
uns
an, über Köpfe hinweg,
zwischen
zwei Bissen.
Lärm
von der Straße. Kinder,
Transparente,
Schwarz auf
Weiß,
Sprechchöre.
Er
denkt laut. Die sollte man alle
ins
Arbeitslager stecken - und die
Eltern
gleich mit - die wissen gar
nicht,
wie gut sie es haben.
Es
wird eng. Meine Tasche, der
Mantel,
Schlängeln durch die
Reihen,
die Blicke des Mannes,
meine
Versuche, durch ihn hindurch
zu
blicken. Und wir atmen die
selbe
Luft. Auf der Straße. Autos, Menschen,
Regen.
Demonstration vorüber.
Heute
habe ich unter meiner Würde
geflirtet.
©
Karin Rohner 2005
Veröffentlicht in "der
literat"
Dezember 12/1991 |
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